Neues aus dem IDWM

Konflikte und Teilhabe in nachhaltigen Konsummärkten

| Mitteilung

Call for Papers

Konsumierende, so hat es den Anschein, müssten lediglich an nachhaltigen Konsummärkten teilnehmen, um den ökologischen, ökonomischen, politischen und sozialen Krisen des 21. Jahrhunderts die Stirn zu bieten. Werden diese Märkte von der breiten Bevölkerung als attraktiv und alltagskompatibel wahrgenommen, so das gängige Narrativ, folge der veränderten nachhaltigen Nachfrage seitens der Verbraucher*innen perspektivisch auch ein nachhaltigeres Produkt- und Serviceangebot. Entgegen dieser Ansicht wird der Verbraucherpolitik und der Forschung mit dem Phänomen des ,Intention-Behavior-Gaps‘ immer wieder vor Augen geführt, dass Menschen zwar normative Vorstellungen von guten Konsumstilen besitzen, diese aber häufig nicht oder nur unter großen Mühen in nachhaltigen Konsummärkten realisieren können.

Call for Papers bis zum 01.04.2023 - zfwu 25/1 (2024)

Informationelle, kognitive, finanzielle, zeitliche, politische und lokale Hürden können den Zugang zu nachhaltigen Märkten erschweren. Zusätzlich können die Erwartungen an Konsumierende je nach sozialer Stellung Konflikte hervorrufen. Eine ökologisch eingestellte Managerin kann den Konsum gebrauchter Kleidung über die Plattform Vinted als richtig einstufen, das Kaufen und Tragen der Kleidung aus Furcht vor sozialen Konsequenzen aber dennoch ablehnen. Eine sozial eingestellte Mutter kann den Wert von Foodsharing teilen, aus Zeitdruck aber trotzdem Lebensmittel verderben lassen. Eine Bauherrin kann die Installation von Photovoltaikanlagen als ökologisch geboten einstufen, sieht sich angesichts ungünstiger politischer Förderrichtlinien aber um ihre Teilhabe am nachhaltigen Bauen gebracht. Die Auflösung solcher Konflikte bildet eine wichtige Aufgabe des politischen Verbraucherschutzes, denn, wenn Bürgerinnen und Bürger ihre Wünsche und Überzeugungen nicht in authentische Konsumhandlungen überführen und Interessenskonflikte auflösen können, dann büßen sie ihre Teilhabe in nachhaltigen Märkten ein. Im Rahmen einer Schwerpunktausgabe der zfwu soll dieses normative und praktische Spannungsfeld untersucht werden.

Es bieten sich Beiträge zu folgenden Leitfragen an:

  • Welche Charakteristika nachhaltiger Konsummärkte können die politische und soziale Teilhabe von Konsumierenden beschränken oder befördern?

  • Welche normativen Konflikte werden von nachhaltigen Konsummärkten erzeugt und wie können diese verhindert oder abgebremst werden?

  • Wie empfinden Konsumierende die durch normative Konflikte ausgelösten kognitiven Dissonanzen? Welche emotionalen und behavioralen Reaktionen ergeben sich? zfwu 23/3 (2022), 383–384.

  • Wie wirken sich das soziale Umfeld, soziale Normen und Scham auf das Erleben von Konflikten und die Möglichkeiten der Teilhabe im nachhaltigen Konsum aus?

  • Wie unterscheiden sich typische Konflikte und Möglichkeiten der Teilhabe in unterschiedlichen Bereichen des nachhaltigen Konsums wie Down-Shifting, Recycling, Upcycling, Sharing, Second-Hand etc.?

  • Reichen die bestehenden Methoden der Konsumforschung aus, um Teilhabeproblematiken im nachhaltigen Konsum angemessen zu modellieren?

Die aufgeführten Fragen sollen die Thematik des Sonderhefts beispielhaft verdeutlichen. Erwünscht sind jegliche Beiträge, welche die Themen Konflikte und/oder Teilhabe in nachhaltigen Konsummärkten theoretisch, methodisch oder empirisch behandeln. Begleitend zum Call for Papers findet am 22.02.2023 an der CAU Kiel ein Workshop zum Thema ›Konflikte und Teilhabe in nachhaltigen Konsummärkten‹ statt. Der Workshop kann genutzt werden, um Manuskripte für dieses Sonderheft weiterzuentwickeln. Die Teilnahme am Workshop ist aber keine Voraussetzung für die Einreichung eines Manuskripts.

Weitere Informationen zum Workshop unter: www.marketing.bwl.uni-kiel.de/de/forschung/projekte

Das Sonderheft wird herausgegeben von Ludger Heidbrink (Universität Kiel), Stefan Hoffmann (Universität Kiel), Sebastian Müller (Universität Bonn) und Alexander Brink (Universität Bayreuth).

Kontakt: Sebastian Müller (s.mueller@uni-bonn.de)

Autor:innenhinweise:

Bitte beachten Sie vor der Einreichung Ihres Manuskripts die Autorenhinweise auf unserer Webseite www.zfwu.nomos.de. Dort finden Sie neben den notwendigen Formalien auch eine Druckformatvorlage, die Ihnen die Arbeit in technischer Hinsicht erleichtern wird. Sie können Ihr Manuskript durch Zusendung an s.mueller@uni-bonn.de einreichen. Für weitere Fragen steht Ihnen das Herausgeberteam gerne zur Verfügung.

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