Mit der ersten Präsenzphase in Bielefeld hat der siebte Jahrgang des „International Master of Arts in Diaconic Management” (IMADM) begonnen. Im Studienstart wird Internationalisierung konkret. Internationale Perspektiven prägen die diakoniewissenschaftliche Lehre und ermöglichen mehrdimensionale Zugänge zu Themen, während zugleich gemeinsame Fragestellungen die Grundlage kontextübergreifender Kooperation bilden.
Der IMADM wird in enger Kooperation zwischen dem IDWM der Universität Bielefeld und der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) durchgeführt. Diese Verbindung steht für ein Verständnis von Internationalisierung, das über Mobilität oder Englisch als Unterrichtssprache hinausgeht. Kennzeichnend ist, dass Verantwortung geteilt wird – auch in der Begleitung der Studierenden und in den Netzwerken, die durch das Programm entstehen.
In diesem Jahr konnten wir zwölf Studierende aus acht Ländern begrüßen: Argentinien, Kamerun, Ruanda, Indonesien, Namibia, Philippinen, Tansania und Südafrika. Diese Vielfalt ist kein „Zusatz“, sondern didaktischer Kern: Diakonisches Management und diakonische Theologie erschließen sich besonders dort, wo unterschiedliche Kontexte, Erfahrungen und kirchliche Traditionen miteinander ins Gespräch kommen.
Kirchen und diakonische Organisationen stehen weltweit vor erheblichen Herausforderungen: Soziale Ungleichheit, fragile Wohlfahrtssysteme, Konflikte und Flucht, Klimafolgen, Vertrauensverluste in Institutionen sowie langfristige soziale Auswirkungen der Pandemie gehören dazu. Der IMADM reagiert darauf mit einem interdisziplinären Profil, das Theologie, Management, Sozialwissenschaften und Praxisreflexion gezielt verbindet. Es geht um Leitungskompetenz, aber ebenso um Urteilsfähigkeit, also die Fähigkeit, komplexe Situationen zu deuten, verantwortlich zu entscheiden und diakonisches Handeln zu begründen.
Ein Highlight der ersten Präsenzphase war ein gemeinsames Seminar der IMADM-Studierenden mit den Doktorand*innen des IDWM. Im Mittelpunkt stand das Thema Armut aus theologischer Perspektive, das von Lehrenden aus den Philippinen, Kamerun und Deutschland gestaltet wurde. Dieses Format war bewusst als gemeinsames Lernen angelegt: nicht nebeneinander, sondern miteinander; nicht „global“ als Schlagwort, sondern als reale Perspektivenvielfalt.
Im Seminar wurde deutlich, dass Armut nicht nur eine sozialpolitische Kategorie ist, sondern auch ein Feld theologischer Deutung. Theologien prägen die Wahrnehmung von Armut, die Verortung von Ursachen und die Anerkennung von Formen der Hilfe oder politischen Konsequenzen. Deshalb stand auch die Frage nach „misleading theologies” im Raum: nach theologischen Deutungen, die Armut individualisieren und moralisch aufladen, strukturelle Gewalt ausblenden oder Betroffene beschämen und entmutigen.
Damit verbunden war die klassische, aber hochaktuelle Frage theologischer Urteilskraft: Woran lässt sich unterscheiden, welche Aussagen theologisch verantwortbar sind und welche zurückzuweisen sind? Diskutiert wurden unter anderem folgende Kriterien:
- die Orientierung an biblisch-theologischen Grundlinien (Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Menschenwürde),
- Kontextsensibilität und Wirklichkeitstreue (keine Spiritualisierung sozialer Not) sowie
- Folgenverantwortung: Welche Wirkung haben Deutungen auf Betroffene und auf institutionelles Handeln?
- Machtkritik: Wo stabilisieren theologische Aussagen ungerechte Verhältnisse?
Der Studienstart verdeutlicht den Anspruch des IMADM: Internationalität als Lernform, wissenschaftliche Präzision im theologischen Gespräch und eine konsequente Ausrichtung auf Praxisfragen diakonischer Leitung.
In den kommenden Monaten werden die Studierenden ihr Studium in weiteren Lehr- und Studienphasen fortsetzen. Sie werden Wissen erwerben, Perspektiven austauschen und Netzwerke knüpfen, die Kirchen und diakonische Praxis über Kontinente hinweg verbinden. Wir begleiten diesen Weg und nehmen die Impulse aus dem Programm in unsere Forschung, Lehre und Transferarbeit auf.