Neues aus dem IDWM

Kolloquium für Diakonie- und Sozialgeschichte

| Diakoniewissenschaftliches Kolloquium

Am 3. Dezember referierte Diakon Thorben Petters zum Thema „‘Das gestaltende Helfertum des Mannes‘ – Die Verhandlung der ‚völkischen Frage‘ im evangelischen Johannesstift zwischen 1918 und 1933 aus Geschlechterperspektive“

Die historische Männlichkeitsforschung eröffnet einen bisher verdeckten Reflexionsprozess auf die Männliche Diakonie. Die Perspektive verdeutlicht, dass der männlichen Diakonie seit ihrer Entstehung eine Gendercodierung zugrunde liegt. Beeinflusst durch die in der bürgerlichen Gesellschaft entstanden polarisierenden Geschlechtercharaktere steht die männliche Diakonie im 20. Jahrhundert vor der Aufgabe, sich in der bestehenden Geschlechterordnung zu verorten. Anhand der Entwicklungen im Evangelischen Johannesstift zu Berlin wird aufgezeigt, dass Männlichkeit als grundlegende Ordnungskategorie in der Auseinandersetzung mit völkischen Gedanken in der Weimarer Republik wirksam ist. Aufgrund der Ansiedlung zahlreicher evangelischer Bildungseinrichtungen sowie der leitenden Mitwirkung von Diakonen und Pfarrern des Johannesstifts im Deutschen Diakonen-Verband, dem damaligen Berufsverband, stellt das Geschehen im Johannesstift eine Schlüsselrolle innerhalb der gesamten männlichen Diakonie dar. Vor diesem Hintergrund wird das im Johannesstift vertretene Spektrum antidemokratischen Denkens ideengeschichtlich analysiert. Es wird nachgezeichnet, wie sich Diakone und Theologen zur wachsenden Völkischen Bewegung positionieren, und auf welche Art und Weise sie sich von jener Bewegung abzugrenzen versuchen.

Thorben Petters hat nach seinem Studium der Sozialen Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin zu den ersten Absolventen des neuen Studienschwerpunktes „Diakonik“ im gemeinsamen Studiengang „Evangelische Religionspädagogik und Diakonik“ an der Evangelischen Hochschule Berlin gehört. Seine Abschlussarbeit wurde von Prof.in Dr.in Kristina Dronsch begleitet. Er interessiert sich ausgeprägt für diakoniegeschichtliche Fragestellungen und Entwicklungen und als evangelischer Diakon ist es ihm ein Anliegen, sowohl aus der Binnenperspektive als auch anhand historischer Forschungen an der Profilbildung dieses Forschungszweiges mitzuwirken.

Dieses diakoniehistorische Kolloquium bot das IDSG gemeinsam mit dem IDWM als Hybridveranstaltung an.

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