Angeregt durch die Kreuzzüge werden in den rasch wachsenden Städten der lateinischen Christenheit seit dem 12. Jahrhundert zahlreiche Hospitäler gegründet, von den viele unter dem Patronat des Heiligen Geistes stehen. Neu gegründete religiöse Laiengenossenschaften und etablierte Orden übernehmen Pflege und Betreuung. Nicht selten kommt es zu Konflikten mit dem Pfarrklerus oder dem Ortsbischof, der traditionell als „Vater der Armen“ angesehen wird und die Aufsicht über die Seelsorge innehat; auch die wirtschaftliche Leitung ist oft umstritten. An einigen Orten haben sich – neben Archivalien – hervorragende bauliche Zeugnisse, Ausstattungen und Bilddokumente erhalten. Sie geben Auskunft über Organisationsformen, Motive und Frömmigkeitsvorstellungen, die heute meist unbekannt sind und uns über fremd gewordene, christliche Vorstellungswelten Auskunft geben.
Prof. em. Dr. Matthias Benad ist Experte auf dem Gebiet der Diakonie- und Sozialgeschichte. Er war Direktor des Instituts für Diakoniewissenschaft und Diakoniemanagement von 2013 bis 2017 und gründete das Institut für Diakonie- und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel im Jahr 2004 und die Forschungsstelle für Diakonie- und Sozialgeschichte im Jahr 1993. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Diakoniegeschichte ab dem 19. Jahrhundert, das Verhältnis von Religiosität, Organisation und sozialer Weltgestaltung, die Ketzergeschichte des Mittelalters, die Toleranz und Obrigkeitsethik der frühen Neuzeit sowie die Geschichte der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und die Regionalkirchengeschichte. Er hat zahlreiche Publikationen zu diesen Themen veröffentlicht, darunter Artikel zu Armut und Andersheit seit der Reformation, der Geschichte der Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und zur Pflege des kulturellen Erbes in der Diakonie.
Dieses diakoniehistorische Kolloquium bot das IDSG gemeinsam mit dem IDWM als Hybridveranstaltung an.